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Das EU-Kids-Gesetz: Was die Kommission am 17. September 2026 vorgeschlagen hat — und die Frist am 26. November

Zuletzt geprüft4. Oktober 2026
BetreuungOffen — Betreuung gesucht
StatusVorschlag — kein Gesetz

Kurz gesagt

Am 17. September 2026 hat die Kommission einen Verordnungsvorschlag veröffentlicht, den sie EU-Kids-Gesetz nennt — COM(2026) 681, Verfahren 2026/0286(COD). Er würde EU-weite Altersregeln für die Onlinedienste aufstellen, die Kinder nutzen: sieben Kategorien im Anwendungsbereich, kein eigenes Konto unter 13, ein von Erziehungsberechtigten kontrolliertes Konto mit höchstens einer Stunde pro Tag mit 13 und 14, ein eigenes Konto ab 15 und zertifizierte Alterssicherung statt eines Geburtsdatumsfeldes. Die Ausnahme für Kleinunternehmen, die der DSA für seine Jugendschutzpflichten kennt, wird bewusst gestrichen. Nichts davon ist Gesetz. Es ist ein Vorschlag bei Parlament und Rat, jede Zeile kann sich ändern, und die Rückmeldefrist der Kommission endet am 26. November 2026.

Was vorgeschlagen wurde

Am 17. September 2026 hat die Kommission einen Verordnungsvorschlag veröffentlicht, dessen voller Titel EU KIDS Act — 'EU Keeping Internet Digital Spaces Accountable and Trustworthy' lautet. Er trägt die Dokumentennummer COM(2026) 681 final, hat die Verfahrensnummer 2026/0286(COD) und wurde dem Europäischen Parlament und dem Rat übermittelt. Rechtsgrundlage ist Artikel 114 AEUV, die Binnenmarktkompetenz — das Argument für die EU-Ebene ist also, dass siebenundzwanzig nationale Altersregeln den Binnenmarkt zersplittern würden.

Die Kommission beschreibt den Vorschlag als zwei Hälften. Erstens gemeinsame Altersregeln: Wer darf selbst ein Konto haben. Zweitens Sicherheit ab Werk: Wie die Dienste selbst gebaut sein müssen. Dazu kommt eine Umkehr der Beweislast für die größten Plattformen — wer mindestens 45 Millionen monatlich aktive Nutzer in der EU hat, muss einen Konformitätsplan vorlegen und ihn auf eigene Kosten von unabhängigen Prüfern kontrollieren lassen, bevor der Dienst unter den neuen Regeln an Kinder gelangt.

Dokument
COM(2026) 681 final, veröffentlicht am 17. September 2026, samt der beigefügten Folgenabschätzung SWD(2026) 681 final.
Verfahren
2026/0286(COD) — das ordentliche Gesetzgebungsverfahren. Der Vorschlag liegt beim Europäischen Parlament und beim Rat.
Was es wäre
Eine Verordnung: nach der Annahme unmittelbar in jedem Mitgliedstaat geltend, ohne nationale Umsetzung. Heute kein bindendes Recht.
Ab wann sie gelten würde
Nach Artikel 43 tritt die Verordnung zwanzig Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft und gilt sechs Monate später — im Entwurf als Platzhalter in Klammern, also nicht einmal das ist fix. Artikel 5 würde ab Inkrafttreten gelten, die Artikel 33 und 35 nach zwölf Monaten.
Das eine Datum, das jetzt schon real ist
26. November 2026, Mitternacht Brüsseler Zeit — das Ende der Rückmeldefrist der Kommission. Siehe den Abschnitt zur Frist.
Noch ist nichts Pflicht. Es gibt keine Umsetzungspflicht, kein Dokument zum Einreichen, kein Register, in dem du auftauchen müsstest. Ein Vorschlag kann außerdem zu etwas ganz anderem geändert werden oder scheitern. Wenn dir eine Seite sagt, du müsstest das Kids-Gesetz jetzt umsetzen, will sie dir etwas verkaufen.

Die sieben Kategorien

Artikel 2 Absatz 1 des Entwurfs listet die Dienste und Systeme, die er erfassen würde — sieben, und nur solche, die Minderjährigen zugänglich sind, wobei Minderjährige alle unter 18 Jahren sind (Artikel 3):

(a) Soziale Online-Netzwerke
Die Definition stammt aus dem Digital Markets Act (Artikel 2 der Verordnung (EU) 2022/1925).
(b) Video-Sharing-Plattformen
Definiert wie im Digital Markets Act. Neben sozialen Netzwerken und App-Stores gilt sie nach Artikel 3 Absatz 2 für diese Verordnung als Online-Plattform.
(c) App-Stores
Definiert wie im Digital Markets Act, und für diese Verordnung eine Online-Plattform.
(d) Online-Spiele
Ein Videospiel oder eine Video-Gaming-Plattform. Die Definitionen sind weit genug, um sehr viel zu erfassen, auch Titel, die in keiner offensichtlichen Weise "sozial" sind.
(e) Betriebssysteme
Definiert wie im Digital Markets Act.
(f) KI-Gefährten
Systeme mit dauerhafter, personalisierter Interaktion, die eine soziale oder emotionale Beziehung simuliert oder erleichtert.
(g) Allgemeine Chatbots
Allzwecksysteme, die über viele Aufgaben hinweg helfen können. Auf eine spezialisierte Aufgabe beschränkte Chatbots, etwa Kundendienst oder technischer Support, sind ausdrücklich ausgenommen.

Die Pflichten sind für die sieben nicht gleich. App-Stores bekommen etwa Altersbewertungspflichten statt der Kontoregeln; Betreiber von Betriebssystemen haben im Entwurf im Wesentlichen eine Pflicht — wenn sie ein Alterssignal einer Nutzerin oder eines Nutzers halten, müssen sie mit deren Einwilligung dessen Weitergabe an erfasste Anbieter ermöglichen (Artikel 29 Absatz 6) — plus die allgemeine Pflicht gegen Umgehung in Artikel 4.

Der Anwendungsbereich greift wie beim DSA über die EU hinaus: Bei den fünf Dienstkategorien kommt es darauf an, dass Anbieter ihre Dienste Nutzerinnen und Nutzern anbieten, die in der Union niedergelassen oder ansässig sind, nicht darauf, von wo aus zugegriffen wird. Nach dem Wortlaut folgt das einem in der EU ansässigen Kind auch in den Urlaub außerhalb der EU. Anbieter außerhalb der EU sind erfasst; Artikel 24 würde zusätzlich einen Rechtsvertreter in einem Mitgliedstaat verlangen.

Was Artikel 2 Absatz 4 ausnimmt
Gemeinnützige Online-Enzyklopädien (die Referenz wird als Wikipedia verstanden); gemeinnützige wissenschaftliche Repositorien; Dienste und Systeme, die primär Bildungszwecken dienen und von Bildungseinrichtungen betrieben werden; Plattformen zur Entwicklung und Weitergabe von Open-Source-Software, sofern die Plattform nicht selbst ein erfasstes KI-System ist; Dienste, die ausschließlich für wissenschaftliche Forschung entwickelt und betrieben werden; und Systeme, die Behörden für ihren eigenen Gebrauch betreiben.
Was diese Ausnahme nicht tut
Sie nimmt ein soziales Netzwerk nicht allein deshalb aus, weil seine Software Open Source ist. Eine Mastodon-Instanz ist ein soziales Netzwerk, keine Entwicklungsplattform. Auch Gemeinnützigkeit ist nur bei den genannten Ausnahmen ein Kriterium, keine allgemeine Verteidigung.
Und sie nimmt dich nicht wegen deiner Größe aus
Anders als der DSA gibt es keine Ausnahme für kleine und Kleinstunternehmen. Das ist der Abschnitt, der sich am meisten lohnt — er ist der Zweck des Vorschlags, kein Versehen.

Die drei Altersstufen

Die Altersregeln in Artikel 6 gelten nicht für alles im Anwendungsbereich. Sie hängen an sozialen Online-Netzwerken und Video-Sharing-Plattformen, die mindestens eines der Risikomerkmale aufweisen, die der Artikel aufzählt. Ein einziges genügt. Dazu gehören etwa: Kontoinhaber können live an eine unbestimmte Zahl anderer senden, sie können Personen außerhalb ihrer bestehenden Verbindungen kontaktieren, es kommt ein auf Profiling gestütztes Empfehlungssystem zum Einsatz, es werden Kontakte oder Inhalte von außerhalb dieser Verbindungen vorgeschlagen, und es gibt Gestaltungen, die ununterbrochenen Konsum fördern oder mit Benachrichtigungen zurückholen.

Unter 13
Kein eigenes Konto. Ein enger Weg bleibt, und nur auf Video-Sharing-Diensten, die speziell für kleine Kinder gestaltet sind: Eine erziehungsberechtigte Person kann begrenzten Zugang über ihr eigenes Konto erlauben, ohne Konto für das Kind, mit abgeschalteter Personalisierung und abgeschalteten Empfehlungsfunktionen, einer Tagesgrenze von höchstens einer Stunde und der Möglichkeit, den Zugang jederzeit zu beenden (Artikel 7).
13 bis unter 15
Erziehungsberechtigte können ein Konto mit eingeschränkten Funktionen einrichten. Deren Werkzeuge sind immer aktiv, die Tagesgrenze darf höchstens eine Stunde betragen, und neue Kontakte müssen vorab genehmigt werden, mit einer Obergrenze für die Zahl der Kontakte (Artikel 6 Absatz 2). Der Anbieter muss prüfen, dass die einrichtende Person tatsächlich erziehungsberechtigt ist (Artikel 26).
15 bis 18
Jugendliche dürfen ein eigenes Konto ohne vorherige Zustimmung der Erziehungsberechtigten haben — aber der Dienst muss gesetzlich für sie sicher sein. Die Schutzmaßnahmen laufen bis zum 18. Geburtstag weiter.
Bestehende Konten
Innerhalb von sechs Monaten nach Geltungsbeginn müssen Anbieter feststellen, ob bestehende Kontoinhaber unter 15 sind, und Konten von Personen unter 15 oder mit ungeklärtem Alter deaktivieren (Artikel 6 Absatz 4, mit Artikel 32). Kann ein Anbieter schon mit hoher Sicherheit erkennen, dass jemand erwachsen ist, ist keine neue Prüfung nötig — die meisten Erwachsenen würden also nichts merken.
Lies die Altersstufe immer zusammen mit der Kategorie. "Keine Konten unter 13" ist keine Regel für das ganze Internet: Sie gilt für soziale Netzwerke und Video-Sharing-Dienste, die die Risikobedingungen erreichen. Online-Spiele, App-Stores, KI-Gefährten und Chatbots bekommen in den folgenden Artikeln jeweils eigene, andere Pflichten.

Alterssicherung und die EU-App

Ein Feld für das Geburtsdatum würde nach diesem Entwurf nicht genügen — die Kommission sagt ausdrücklich, eine selbst angegebene Altersangabe reiche nicht. Artikel 29 verlangt von den von Artikel 6 erfassten Anbietern eine EU-Altersverifikationslösung mit einem EU-Altersnachweis, bereitgestellt von einem Dritten, zertifiziert nach dem EU-Schema für Altersverifikation und in den Listen der Kommission geführt (Artikel 30). Auch App-Stores müssen das Alter der Nutzerin oder des Nutzers feststellen, um altersunangemessene Apps von Minderjährigen fernzuhalten (Artikel 16 Absatz 4).

Der Datenschutzaufbau ist für einen Entwurf ungewöhnlich deutlich. Artikel 28 sagt, Alterssicherung dürfe "die Identifizierung der Empfängerin oder des Empfängers nicht ermöglichen und sie nicht orten, verfolgen, adressieren, mit Werbung ansprechen oder profilieren", verbietet es, mehr Daten als nötig zu speichern oder zu verknüpfen, und bestimmt ausdrücklich, dass jede Alterssicherungsmaßnahme Zero-Knowledge-Proof sein muss. Die Kommission baut dieses Schema selbst als quelloffene technische Vorgaben für eine eigenständige mobile Alters-App und verweist für später auf die europäische digitale Identitätsbrieftasche.

Was der Dienst erfährt
Ob die Person über oder unter der Altersschwelle liegt — kein Name, kein Geburtsdatum, keine Ausweisdokumente.
Was ein Mitgliedstaat bereitstellen muss
Nach Artikel 31 Absatz 5 muss mindestens eine zertifizierte EU-Altersverifikationslösung für Bürgerinnen, Bürger und Ansässige kostenlos verfügbar sein. Der Weg für Erziehungsberechtigte ist separat: Artikel 31 Absatz 1 verlangt zusätzlich ein kostenloses, datenschutzfreundliches Mittel zum Nachweis der elterlichen Verantwortung.
Wo die Altersprüfung passiert
Beim Anlegen eines neuen Kontos. Bei Spielen wandert die Altersfrage in den App-Store — siehe unten.

Sicherheit ab Werk

Die größere Hälfte des Entwurfs handelt nicht davon, wer hineinkommt, sondern davon, was der Dienst dann tut. Artikel 8 regelt die allgemeine Pflicht; die Artikel 9 bis 12 und 20 machen sie konkret. Die Kommission benennt die Techniken, statt sie allgemein zu umschreiben:

Suchtfördernde Gestaltung
Für Minderjährige dürfen Dienste nicht so gestaltet sein, dass sie zwanghaften oder übermäßigen Konsum fördern. Die Erläuterung nennt konkret: endloses Autoplay und unendliches Scrollen ohne echte Pausen, Benachrichtigungen, die ein Kind zurückholen sollen, Belohnungen für das Posten oder Streamen vor großem Publikum und "Streak"-Mechaniken, die ein Kind bestrafen, wenn es nicht täglich wiederkommt.
Einstellungen standardmäßig
Artikel 11 verlangt für Minderjährige standardmäßig hohe Privatsphäre-, Sicherheits- und Schutzeinstellungen — Ortung und andere Trackingfunktionen aus, Zugriff auf Mikrofon und Kamera aus, Kontaktvorschläge und Kontaktsynchronisierung aus, Push-Benachrichtigungen aus und jedenfalls so getaktet, dass Schlafenszeiten und Schulzeit geschützt bleiben. Ändern darf ein Anbieter diese Voreinstellungen nur, wenn die Person über 15 ist.
Kontakt und Sichtbarkeit
Niemand darf Minderjährige direkt kontaktieren, wenn diese den Kontakt nicht vorab genehmigt haben. Minderjährige erscheinen nicht in Kontaktvorschlägen, dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung zu Gruppen hinzugefügt werden und können jede Person blockieren, ohne dass ihre Identität offengelegt wird (Artikel 12 Absatz 1). Standardmäßig sehen nur zuvor akzeptierte Personen das Konto oder die Inhalte, und Personen ohne Konto haben überhaupt keinen Zugang zu Inhalten Minderjähriger (Artikel 12 Absatz 3). Andere dürfen Inhalte von Minderjährigen nicht herunterladen oder mitlesen.
Feeds
Empfehlungssysteme müssen auf Sicherheit, Qualität und psychische Gesundheit statt auf Bindung optimiert werden; Empfehlungen auf Basis von Bindungsdaten sind standardmäßig aus, und Minderjährige müssen mindestens eine Empfehlungsvariante wählen können, die nicht auf Profiling beruht (Artikel 10).
KI-Gefährten und Chatbots
Artikel 14 verbietet Gestaltungen, die Beziehungen so simulieren, dass wahrscheinlich emotionale Abhängigkeit entsteht, untersagt es standardmäßig, frühere Gespräche eines Kindes in spätere zu übernehmen, und verlangt Tests vor dem Start und Beobachtung danach. In eine Plattform oder ein Spiel eingebaut, dürfen sie sich nicht automatisch aktivieren, Kindern nicht aufgedrängt werden und müssen leicht abschaltbar sein.
Werkzeuge für Erziehungsberechtigte
Artikel 20 verlangt wirksame Werkzeuge in jedem erfassten Dienst — Bildschirmzeit, Kontakte sehen und genehmigen, Einstellungen verwalten und schädliche Inhalte stellvertretend melden. Bei Konten von 13- und 14-Jährigen sind sie immer aktiv. Sie ergänzen die Pflichten des Anbieters; sie ersetzen sie nicht.

Keine Ausnahme für Kleinunternehmen

Das ist der Teil des Vorschlags, der für kleine Anbieter am meisten zählt, und er ist kein Versehen. Die Begründung sagt es in einem Satz:

Mit den Worten der Kommission

"small and micro enterprises are not exempted from this Regulation, since they may equally provide harms to minors" — kleine und Kleinstunternehmen sind also nicht ausgenommen, weil auch sie Minderjährigen schaden können; eine Ausnahme würde, so die Begründung weiter, das Ziel des Vorschlags untergraben.

Das ist bewusst eine Abkehr vom DSA, der Kleinst- und Kleinunternehmen aus seinen Jugendschutzpflichten heraushält. Die Begründung räumt ein, dass viele kleine Anbieter "bisher nicht von Artikel 28 des Digital Services Act erfasst" waren.

Was eine Größenschwelle bewirkt hätte
Für die Kernpflichten kommt es hier auf Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Nutzerzahlen nicht an. Ein fünfköpfiges Spielestudio und eine Plattform mit hundert Millionen Nutzern lesen dieselbe Pflicht.
Die eine Ausnahme, die bleibt
Artikel 14 nimmt Kleinst- und Kleinunternehmen von der Marktbeobachtungspflicht für KI-Gefährten und allgemeine Chatbots aus. Es ist die einzige solche Ausnahme, die wir im verfügenden Teil gefunden haben.
Wo Größe doch zählt
Das Regime aus Konformitätsplan und Prüfung gilt für sehr große Online-Plattformen — ab 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU. Die Kommission hält fest, dass diese Pflichten KMU grundsätzlich nicht treffen sollten, weil ihre Nutzerbasis diese Größe nicht erreicht.
Durchsetzung
Für Online-Plattformen baut der Entwurf auf der Durchsetzung des DSA auf, für KI-Gefährten und Chatbots auf dem AI Act, für Videospiele, die keine Online-Plattformen sind, auf von den Mitgliedstaaten benannten nationalen Behörden. Bußgelder können bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes erreichen; für von der Kommission beaufsichtigte Dienste gilt ein beschleunigtes Verfahren — vorläufige Feststellungen binnen 30 Tagen, endgültige Entscheidung angestrebt binnen 90.
Zu den Kostenfiguren, die kursieren. Ein Spielemagazin nennt eine Zahl "um eine halbe Million" für einen unabhängigen Entwickler und bezeichnet den Text als "geleakt" — geleakt wurde er nicht, er wurde am 17. September 2026 veröffentlicht, und der Artikel ist ein Meinungsstück, das nicht sagt, woher die Zahl stammt. Die eigene, nicht formale Folgenabschätzung der Kommission sagt, die Kosten ließen sich nicht abschließend bestimmen, kleinere Dienste könnten relativ größere Schwierigkeiten haben, und veranschlagt die Integration einer fertigen Altersprüfung mit einigen hundert bis einigen tausend Euro. Wir geben die Spanne wieder, nicht das Gerücht: Beide Zahlen sind Schätzungen, und die ehrliche Antwort ist, dass es noch niemand weiß.

Was das für Spiele hieße

Online-Spiele sind eine der sieben Kategorien, definiert als Videospiel oder Video-Gaming-Plattform. Ihre Pflichten ergeben sich vor allem aus Artikel 15 und den App-Store-Regeln in Artikel 16.

Sicherheit ab Werk, auf ein Spiel angewandt
Anbieter müssen sicherstellen, dass zwanghafter oder übermäßiger Konsum nicht gefördert wird, datenschutzfreundliche Voreinstellungen anwenden, Kontaktschutz zwischen Minderjährigen und anderen Spielenden einrichten und Werkzeuge für Erziehungsberechtigte bereitstellen — wobei der Zugang von unter 13-Jährigen nur über diese Werkzeuge möglich und kontrolliert sein darf.
Altersempfehlung pro Spiel, durchgesetzt im Store
Artikel 16 verlangt von jedem App-Store ein Altersbewertungssystem für jede dort angebotene Anwendung, das Minderjährigen den Zugang zu oder Kauf von unangemessenen Anwendungen verwehrt, und dafür eine Altersprüfung der Nutzerin oder des Nutzers. Praktisch heißt das: Die Altersempfehlung eines Spiels wird im Store vor dem Download geprüft, nicht im Spiel danach.
Monetarisierung
Die eigenständigen Regeln zu wirtschaftlichen Transaktionen im Entwurf gelten für soziale Netzwerke und Video-Sharing-Plattformen, nicht für Spiele. Monetarisierungspraktiken in Spielen bleiben Verhaltenskodizes überlassen, die Artikel 17 auch für die Altersbewertung nutzt.
Was die Branche sagt
Video Games Europe warnte vor "sweeping age assurance measures applicable to every game and player in Europe" — flächendeckenden Alterssicherungsmaßnahmen für jedes Spiel und jeden Spielenden in Europa. Wir geben die Kritik des Branchenverbands so wieder, wie sie berichtet wurde; sie ist nicht unsere Einschätzung des Entwurfs.

Die Definition ist weiter, als "Online-Spiel" klingt

Die Definitionen für Videospiel und Video-Gaming-Plattform sind weit genug, um weit über ständig online laufende Titel hinauszureichen — nach der Lesart eines Kommentators auch für Spiele mit klassischem Online-Mehrspielermodus und für ältere Titel, die noch einen Server haben. Nichts im Text, den wir gelesen haben, begrenzt die Pflichten nach Veröffentlichungsdatum oder Spielerzahl, und eine Bestandsschutzklausel gibt es nicht. Das ist eine Lesart des Entwurfswortlauts, kein feststehendes Ergebnis — und genau die Art von Punkt, die das Gesetzgebungsverfahren ändern kann.

Was das für kleine Server hieße

Das Fediverse — das Netz unabhängiger Server, auf denen Software wie Mastodon läuft — ist der Ort, an dem das Streichen der Größenausnahme praktisch am härtesten wirkt, und die Kritik dazu ist konkret.

Die österreichische Digitalrechte-Organisation epicenter.works hat ihre Analyse am 22. September 2026 veröffentlicht, unter der Überschrift "Bye Bye Fediverse". Ihr Argument: Milliardenkonzerne wie Meta, Google und Apple bekommen dieselben Auflagen wie kleine europäische Anbieter; Wikipedia und Codeberg bekommen ihre Ausnahme, ein dezentrales Netzwerk wie Mastodon nicht. Das heißt Altersverifikation für jede einzelne Instanz und jeden Software-Marktplatz, mit der ganzen bürokratischen Wucht, die daran hängt — eine Infrastruktur, die sich ein Server mit ein paar hundert Nutzerinnen und Nutzern schlicht nicht leisten kann, während ein Meta oder TikTok sie aus der Portokasse zahlt. Ihr Fazit ist deutlich: Die kleineren Betreiber machen entweder dicht oder werfen Jugendliche aus den offenen, datenschutzfreundlichen Teilen des Internets.

Dahinter steckt ein echter technischer Konflikt, nicht nur ein politischer. Artikel 12 Absatz 3 verlangt, dass Empfänger ohne Konto keinen Zugang zu Inhalten Minderjähriger haben dürfen und standardmäßig nur zuvor akzeptierte Personen. In ActivityPub, dem Protokoll unter dem größten Teil des Fediverse, muss ein Beitrag an den besonderen Empfänger Public ohne Anmeldung zugänglich sein — so steht es in der Empfehlung des W3C. Ein Konto einer minderjährigen Person könnte Beiträge also nicht an Public adressieren. Weil die Schutzvoreinstellungen für jedes Konto gelten, dessen Inhaber nicht als erwachsen festgestellt ist, würde das bis zur Altersprüfung über Minderjährige hinausreichen.

Wen die Pflicht trifft
Die Betreiberin oder den Betreiber der Instanz, nicht das Mastodon-Projekt und nicht die Personen, die die Software geschrieben haben.
Ob eine Ausnahme greift
Plattformen zur Entwicklung und Weitergabe von Open-Source-Software sind ausgenommen; ein soziales Netzwerk, das Open-Source-Software nutzt, nicht. Darauf stützt sich die Kritik von epicenter.works, und sie folgt aus Artikel 2 Absatz 4 Buchstabe d.
Was Föderation nicht lösen kann
Ein Herkunftsserver kontrolliert, was er ausliefert und an wen — nicht, was ein fremder Server danach damit macht. Ein Screenshot lässt sich nicht deföderieren. Auf einer zentralen Plattform setzt der Betreiber seine Regeln im ganzen Dienst durch, in einem föderierten Netz nur auf dem eigenen Server.
Wo die Kritik über den Text hinausgeht
Die Behauptung, jede private Instanz werde künftig Alter prüfen müssen, folgt nicht automatisch. Ob ein privater, nicht kommerzieller Hobby-Server überhaupt ein erfasstes soziales Netzwerk ist, hängt davon ab, wie der unionsrechtliche Begriff des "Dienstes der Informationsgesellschaft" — normalerweise gegen Entgelt erbracht — auf ihn anzuwenden ist. Das ist eine offene Rechtsfrage, keine geklärte, und das eingeschränkte Konto für 13- und 14-Jährige darf ein Anbieter anbieten, muss es aber nicht.
Der beim deutschen Technikportal heise verlinkte Kommentar, dessen Autor selbst ein fediverse-kompatibles Businessnetzwerk betreibt, kommt von der anderen Seite zum selben Punkt: Das Fazit "das Fediverse stirbt" sei nicht belegt, und "jede Instanz ohne Ausnahme" sei übertrieben — die Kritik löst sich damit aber auch nicht auf.

Wie es zum DSA passt

Das Kids-Gesetz ersetzt den Digital Services Act nicht. Die Begründung der Kommission beschreibt es als Festlegung in hartem Recht von Vorgaben, die sie bereits als Leitlinien zum Schutz Minderjähriger nach Verordnung (EU) 2022/2065 veröffentlicht hat, und als Konkretisierung der Pflicht aus Artikel 28 DSA, Minderjährige zu schützen, soweit es um Sicherheit ab Werk und Alterssicherung geht. Der Grund für ein Gesetz ist in dieser Lesart, dass Leitlinien nicht in gleicher Weise durchsetzbar sind.

Wer was beaufsichtigt
Soziale Netzwerke, Video-Sharing-Plattformen und App-Stores gelten dafür als Online-Plattformen, eine Video-Gaming-Plattform ebenfalls. Ihre Pflichten aus dem Kids-Gesetz werden über die Durchsetzung des DSA beaufsichtigt und durchgesetzt, nicht über ein neues Regime. KI-Gefährten und Chatbots fallen unter den AI Act. Videospiele, die keine Online-Plattformen sind, fallen an nationale Behörden.
Was große Plattformen zusätzlich bekommen
Einen erweiterten Pflichtenkatalog: Konformitätsplan, unabhängige Prüfung, von der Kommission anordbare Abhilfemaßnahmen, verschärfte Anforderungen an die Altersverifikation und Interoperabilität der Werkzeuge für Erziehungsberechtigte.
Die Alters-App
Die EU-Altersverifikationslösung aus Artikel 29 ist dasselbe technische Schema, das die Kommission parallel aufbaut — quelloffene Vorgaben für eine eigenständige App, wobei jeder Mitgliedstaat mindestens eine zertifizierte Lösung kostenlos verfügbar machen muss.
Das weitere Paket
Das Gesetz ist ein Teil eines Kinderschutzpakets, zu dem auch ein Digital Fairness Act sowie Überarbeitungen der Verordnung über die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz und der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste gehören.

Was wir nicht klären konnten

Wir sagen lieber, was wir nicht prüfen konnten, als darum herumzuschreiben.

Ein Kampagnenzitat, das wir nicht wiedergeben
Mehrere Berichte geben die Kampagne Stop Killing Games mit der Warnung wieder, das Gesetz könne "die ganze Videospielindustrie implodieren" lassen. Wir konnten weder die ursprüngliche Berichterstattung noch eine eigene Erklärung der Kampagne öffnen — die Seiten haben unsere Anfragen abgewiesen, und ihre Presseseite ist nicht veröffentlicht — deshalb zitieren wir es hier nicht. Wenn du die Originalerklärung hast, schick sie uns, dann ergänzen wir sie.
Ob ein privater Hobby-Server erfasst ist
Das hängt an der Bedeutung des "Dienstes der Informationsgesellschaft" und an den Umständen des einzelnen Servers. Eine offizielle Antwort gibt es noch nicht, und wir erfinden keine.
Ob quelloffene Betriebssysteme erfasst sind
Die Definition des Betriebssystems stammt aus dem Digital Markets Act; ob freie und quelloffene Distributionen darunterfallen, klärt der Wortlaut des Entwurfs nicht. Außerhalb der EU ist dieselbe Frage im Recht bereits beantwortet, in gegensätzliche Richtungen: siehe Alterskontrolle zieht ins Betriebssystem und den Erklärtext Altersverifikation und Alterssicherung.
Was es kosten wird
Niemand hat eine belastbare Zahl. Die eigene Analyse der Kommission sagt, die Kosten ließen sich nicht abschließend bestimmen, besonders für die vielen kleinen Anbieter, und arbeitet mit einer Spanne von einigen hundert bis einigen tausend Euro für eine fertige Altersprüfung.
Was im endgültigen Text stehen wird
Alles oben ist der Vorschlag der Kommission, wie veröffentlicht. Parlament und Rat ändern; diese Akte kann in einem Jahr ganz anders aussehen.

Die Frist am 26. November

Die Kommission sammelt Rückmeldungen zum Vorschlag bis 26. November 2026, Mitternacht Brüsseler Zeit. In ihrer eigenen Erläuterung heißt es, Ziel sei es, Kinder, Eltern, Erziehungsberechtigte, Lehrkräfte und Pädagoginnen und Pädagogen zu hören sowie die vom Vorschlag erfassten Online-Plattformen. Die Kommission sagt, die Antworten würden zusammengefasst und dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt, um die Gesetzgebungsdebatte zu speisen — deshalb zählt das Fenster, obwohl die Akte schon bei den beiden Gesetzgebern liegt.

Was es nicht ist
Keine Abstimmung, und der Text ändert sich dadurch nicht von selbst. Es ist ein Beitrag zu den Akten, während Parlament und Rat ihre Positionen noch bilden.
Was in einer Stellungnahme hilft
Die Kommission muss die Folgen begründen. Eine konkrete Zahl — was eine Altersprüfung, ein Altersbewertungssystem oder ein Konformitätsplan dein Unternehmen kosten würde, samt dem Arbeitsaufwand — ist schwerer zu entkräften als eine Position. Genau solche Zahlen sammelt unser Observatorium.
Wenn du sie verpasst
Das Gesetzgebungsverfahren läuft ohne dich weiter. Nationale und Branchenkonsultationen und die Ausschussarbeit des Parlaments sind die späteren Türen — und die öffnen sich weniger verlässlich.

Nichts davon ist feststehend

Nichts in dieser Notiz ist Rechtsberatung, und nichts davon ist eine Pflicht, die du heute hättest. Die Altersstufen, die sieben Kategorien, die fehlende Größenausnahme, die Durchsetzung über den App-Store und das Geltungsdatum sind alle Entwurf. Plane, was du beeinflussen kannst — die Gestaltungsentscheidungen, die du ändern müsstest, die Altersdaten, die du verarbeiten müsstest — und lies den Text noch einmal, wenn die Position des Rates veröffentlicht wird.

Quellen

Der Vorschlagstext, die Pressemitteilung der Kommission und ihre eigene Erläuterung sind das Rückgrat; alles Interpretierende ist der Person oder Organisation zugeordnet, die es gesagt hat. Wo eine Quelle sekundär ist, sagen wir es. Für diese Seite haben wir den Vorschlag, die Pressemitteilung und die Erläuterung gelesen.

  1. COM(2026) 681 final — Vorschlag für das EU-KIDS-Gesetz (EUR-Lex) Der authentische Entwurf, 17. September 2026. Quelle für den Anwendungsbereich in Artikel 2, die Altersstufen in Artikel 6, die Schutzpflichten in den Artikeln 8–12, Spiele und App-Stores in den Artikeln 15–17, die Alterssicherung in den Artikeln 28–32, das Geltungsdatum in Artikel 43 und die Begründung. Für diese Seite vollständig gelesen
  2. Europäische Kommission — EU-KIDS-Gesetz soll Kindern den Zugang zu Social-Media-Plattformen in der EU beschränken Die Pressemitteilung, 17. September 2026. Quelle für das Veröffentlichungsdatum und die Umkehr der Beweislast
  3. Europäische Kommission — The KIDS Act explained (Das KIDS-Gesetz erklärt) Die eigene Erläuterung der Kommission, zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026. Quelle für die Rückmeldefrist am 26. November 2026, die kostenlose EU-Alters-App, die benannten suchtfördernden Techniken, die Sechs-Monats-Prüfung bestehender Konten und die Obergrenze von 6 % beim Bußgeld
  4. Europäische Kommission — Vorschlag für das EU-KIDS-Gesetz und Begleitdokumente Die Dokumentensammlung: Vorschlag, Folgenabschätzung und Factsheet
  5. Pinsent Masons — Der Anwendungsbereich des vorgeschlagenen KIDS-Gesetzes Sekundär, Rechtsanalyse, 2. Oktober 2026. Quelle für die Siebener-Liste als Liste, die Ausnahmen, die Pflicht der Betriebssysteme, die Einordnung als Online-Plattform und das Zitat von Video Games Europe
  6. heise online — Altersverifikation im Fediverse: Wie das KIDS-Gesetz Mastodon herausfordert Sekundär, technische Analyse, 2. Oktober 2026. Quelle für den Konflikt zwischen ActivityPub und Artikel 12, das Urteil zur Behauptung "jede Instanz", die Kostenschätzung aus der Folgenabschätzung und die Rolle der Betreiberin oder des Betreibers
  7. epicenter.works — Zwei Fronten, ein Irrweg Die eigene Analyse der österreichischen Digitalrechte-Organisation, 22. September 2026. Quelle für die ihr zugeordnete Kritik — Altersverifikation "für jede einzelne Instanz", der Vergleich mit Wikipedia und Codeberg und das Argument "Bye Bye Fediverse"
  8. Hunton Andrews Kurth via National Law Review — Die Kommission stellt den Vorschlag für das EU-KIDS-Gesetz vor Sekundär, 2. Oktober 2026. Gegenprüfung der drei Altersstufen und der Durchsetzung von Altersempfehlungen für Spiele über den App-Store
  9. NoobFeed — Das EU-Kids-Gesetz könnte europäischen Spielen neue Regulierungskosten aufbürden Meinungsstück, 3. Oktober 2026. Nur aufgeführt, weil wir es korrigieren: Es bezeichnet den Text als "geleakt" und nennt eine nicht belegte Kostenfigur, die wir nicht wiedergeben
  10. PubAffairs Bruxelles — Die Kommission sucht Rückmeldungen zum EU-KIDS-Gesetz Gibt die eigene Meldung der Kommission zur Rückmeldefrist wieder, einschließlich des Satzes, dass die Antworten zusammengefasst und Parlament und Rat vorgelegt werden. Sekundäre Wiedergabe eines Kommissionstextes

Sag uns, was falsch ist

Diese Akte wird sich bewegen. Wenn du die Folgenabschätzung der Kommission, eine Position des Rates, eine nationale Umsetzungsnotiz oder eine Kostenangabe mit Namen findest, bring sie mit — eine Quelle, die wir öffnen können, schlägt zehn Seiten Kommentar, und wir korrigieren diese Seite öffentlich, wenn wir etwas falsch haben.